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14.02.2019

Fairness für heimischen Zuckerrübenanbau gefordert

Die Rübenbauer fordern faire Bedingungen für den heimischen Anbau

Die Rübenbauer fordern faire Bedingungen für den heimischen Anbau

Enttäuschung über Landwirtschaftsministerin Klöckner

Von Dieter Hombach

Zu einem landesweiten Protest der rheinischen Rübenbauern kommt es seit einigen Wochen.   Hintergrund der Demonstrationen sind agrarpolitisch verursachte, existenzgefährdende Wettbewerbsnachteile für die heimischen Anbauer. Dabei geht es vor allem um uneinheitliche Produktionsbedingungen innerhalb der Europäischen Union. Um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, gingen am Freitag, vor der Anbauerversammlung, zahlreiche Rübenbauern in Niederkassel-Ranzel auf die Straße, um so auch der Öffentlichkeit ihre Probleme darzustellen. Rund 100 Landwirte bauen von Leverkusen bis Linz ihre Rüben in dieser Region an und befürchten trotz bestem Ackerboden im Rheinland erhebliche Ertragseinbußen. Der Geschäftsführer des Rheinischen Rübenbauern-Verbandes, Dr. Peter Kasten, sieht existenzgefährdende Wettbewerbsnachteile für die heimischen Rübenbauern durch die Haltung des Bundeslandwirtschaftsministeriums. „Wir fühlen uns von Ministerin Julia Klöckner im Stich gelassen und empfinden dies als ein hohes Maß an Ignoranz uns Rübenbauern und Landwirten gegenüber“, so Kasten. Hintergrund des Protestes sind die EU-weiten uneinheitliche Regelungen.  Gekoppelte Rübenbeihilfen in 11 von 19 EU-Staaten und große Unterschiede bei  den Pflanzenschutzmittelzulassungen benachteiligen deutsche und damit rheinische Zuckerrübenanbauer massiv. Heimische Rübenanbauer erhalten keine gekoppelten Rübenbeihilfen. Zudem dürfen die seitens der EU verbotenen neonicotinoidhaltigen Rübenbeizen zur Bekämpfung virusübertragender Blattläuse per Notfallverordnung in mittlerweile 12 von 19 EU-Staaten weiter eingesetzt werden. In Deutschland lehnt das Bundeslandwirtschaftsministerium dies bisher strikt ab, obwohl die genannten Beizen im Zuckerrübenanbau nicht gleichwertig ersetzbar sind und der Verzicht mit Ertragsverlusten und Einkommenseinbußen verbunden ist. In einer Mitteilung heißt es: „Bekannt ist der Bundesregierung, dass insgesamt neun Mitgliedstaaten, darunter Belgien, Finnland, Österreich und Polen, Notfallzulassungen für neonikotinoide Wirkstoffe zur Saatgutbehandlung beziehungsweise -beizung erteilt haben“. Hierin sehen die Rübenbauern eine klare Wettbewerbsverzerrung. „Entweder dürfen wir alle  neonicotinoidhaltigen Rübenbeizen einsetzen oder keiner“, so Herbert Werres, Rübenanbauer aus Niederkassel. Die Landwirte sehen bei der Behandlung auch keinen Schaden für Insekten, denn, so ihre Argumentation, Rüben blühen im Anbaujahr nicht und werden deswegen nicht von Bienen angeflogen. Die Anzahl der Rübenbauern ist von ehemals 10.000 auf jetzt rund rund 4000 geschrumpft. Die Anbauer sehen zudem viele Arbeitsplätze in Gefahr, so etwa bei den Zuckerrübenfabriken. Insgesamt werden im Rheinland auf 50.000 ha Rüben angepflanzt. Ob sich an der derzeitigen Haltung der Bundesregierung bzw. der Landwirtschaftsministerin etwas Grundlegendes ändert, darf bezweifelt werden.  Heißt es doch in einer Pressemeldung: „Die Bundesregierung rechnet mit Einschränkung des Zuckerrübenanbaus. Als Folge des EU-weiten Anwendungsverbots der Neonikotinoidwirkstoffe im Freiland rechnet die Bundesregierung mit einer Einschränkung des Zuckerrübenanbaus. Welche Kulturen auf einzelbetrieblicher Ebene möglicherweise anstelle von Zuckerrüben angebaut würden, könne von ihr nicht eingeschätzt werden, so die Regierung. Die systematische Fruchtfolge voraussetzend, falle der Zuckerrübe zum Beispiel in getreidebetonten Fruchtfolgen die Rolle der Blattfrucht zu. Als Ersatzfrüchte für die Zuckerrübe könnten andere Blattfrüchte wie Winterraps, Mais, Kartoffeln und großkörnige Leguminosen bevorzugt in Frage kommen“. Trotz dieser Aussagen fordern die rheinischen Rübenanbauern von der deutschen und europäischen Agrarpolitik eine schnellstmögliche Kurskorrektur in beiden Themen und Fair Play für den heimischen Zuckerrübenanbau. Gekoppelte Rübenbeihilfen müssen europaweit abgeschafft und Pflanzenschutzmittelzulassungen EU-weit vereinheitlicht werden.