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03.11.2018

Ein Gärtnermeister klärt auf

Marcus Jonas (li.) begrüßte Marco Büttgenbach in Ranzel

Marcus Jonas (li.) begrüßte Marco Büttgenbach in Ranzel

Marco Büttgenbach las aus „Problemlöser Garten“

Von Dieter Hombach

Viele Gartenfreunde hatten sich am Freitagabend auf den Weg in den Norden der Stadt gemacht. Hier, bei der Ranzeler Firma Jonas, Garten und Landschaftsbau, gab es im Showraum keinen freien Sitzplatz mehr, denn nicht alle Pflanzenfreunde haben auch immer einen „Grünen Daumen“. Wer an diesem Abend aber einen trockenen Vortrag über Blumen und Pflanzen erwartet hatte, der wurde positiv überrascht. Der Rheidter Gärtnermeister Marco Büttgenbach, der bei den Alexianer Klostergärten langjähriger Betriebsstättenleiter ist, versteht es wie nur wenige Fachleute, einen eher trockenen Stoff mit Wortwitz und Fachwissen zu einem unterhaltsamen und lehrreichen Abend zu mixen. Mit seiner Aussage: „Man sieht in Rheidt herrliche Steinwüsten mit vier Pflanzen darin,“ zeigte er sich wenig begeistert von der Art, neuerdings Vorgärten zu gestalten. Überhaupt hat es ihm die naturnahe Gestaltung der Gärten angetan. Das fängt seiner Meinung nach schon mit der richtigen Pflanze und der richtigen Pflanzzeit an. „Wir müssen uns fragen, was können wir für die Natur tun. Das bedeutet, das ich nicht zu allen Jahreszeiten alle Pflanzen, Sträucher und Bäume bekommen muss und diese auch nicht beliebig einpflanzen kann,“ so Büttgenbach. Er sieht hier einen Verfall der früher geübten und den Jahreszeiten angepassten Pflanzzeiten, für die er die Discounter verantwortlich macht. „Es gibt kaum noch inhabergeführte Gärtnereien, weil dank der Discounter die Pflanzen immer billiger werden und zu jeder Jahreszeit verfügbar sein müssen. Fünfzig Prozent der Pflanzen werden durch den Lebensmitteleinzelhandel umgesetzt. Dafür werden die Pflanzen Hunderte von Kilometern durch Europa gekarrt. Dabei stehen sie tagelang eng in wasserundurchlässigen Paletten und haben kein Licht,“ so der Gärtnermeister. Dies wirkt sich wiederum auf die Lebenszeit der Pflanzen aus, was sie faktisch zu Wegwerfprodukten macht. Büttgenbach findet, dass die Menschen nicht mehr wissen, wann sie pflanzen sollen. Denn wenn die Discounter zu früh anfangen, ziehen die anderen Händler aus geschäftlichen Gründen nach. Er nannte das die „Erdbeerrisierung“ der Pflanzen, d. h. das alle Pflanzen immer zur Verfügung stehen müssen. Ein Appell des Gärtnermeisters an die Gartenfreunde lautete daher, Augen auf beim Pflanzenkauf, bleiben sie regional und kaufen sie nur zur Jahreszeit passend. „Gute Pflanzen werden vor Ort gezüchtet und sollten auch dort gekauft werden,“ so Büttgenbach. Es gab viele Fragen und alle wurden, manchmal mit viel Humor, hin und wieder mit ein wenig Ironie im Ton, ausgiebig beantwortet. Es war ein sehr unterhaltsamer und lehrreicher Abend für die Besucher, die sich zwischendurch mit Produkten des Niederkasseler Biomarktes von Antoine Reichert, stärkten. Dort gab es Fingerfood sowie Weine und Getränke aus dem Sortiment für die Gäste, die auch nach dem Ende des Vortrags noch das Gespräch mit Marco Büttgenbach suchten.